Was kannst du machen, wenn du gebosst wirst?

FOTO BY Nasa63030 @ UNSPLASH

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„Ich war immer Chefs Liebling. Bis zu dem Tag, als ich ihm erzählte, dass ich schwanger bin. Von da an wendete sich das Blatt. Es folgten Anschuldigungen, Infos wurden zurückgehalten und ich wurde aus Besprechungen, die mich betrafen, ausgeschlossen. Die schlimmsten Monate meines Arbeitslebens folgten.“ Das erzählt mir kürzlich eine Frau in einem Beratungsgespräch. Was sie erlebt hatte, war Bossing.

 

BOSSING – WAS IST DAS EIGENTLICH?

Bossing ist dasselbe wie Mobbing, mit dem Unterschied, dass das Mobbing hier vom Chef ausgeht. Das macht die Sache kompliziert, denn deine Vorgesetzten stehen hierarchisch über dir. Das bringt dich auf den ersten Blick in eine etwas aussichtslose Position.

Bossing kommt oft unerwartet, wie im Beispiel oben. Die Bemerkungen sind verletzend und gewollt herabwürdigend. Es geht nicht darum, jemanden zu fördern und ein wertschätzendes Feedback zu geben. Nein, beim Bossing geht es um das gezielte Verletzen und Erniedrigen des Untergebenen.

Das wirklich Fiese am Bossing ist der hierarchische Unterschied. Es ist ein Macht-Ungleichgewicht. Angestellte, die vom Chef gebosst werden, berichten sehr oft davon, dass sie sich als Opfer fühlen. Handlungsunfähig und den Attacken von oben hilflos ausgesetzt.

Die Definition laut Duden ist: ständiges Schikanieren einzelner Mitarbeiter/-innen durch Vorgesetzte (mit der Absicht, sie von ihrem Arbeitsplatz zu vertreiben) 

 

“Bossing ist kein Kavaliersdelikt. Es ist ein Armutszeugnis für die Führungskraft, die ihre Machtstellung ausnutzt.”

WORAN MERKST DU BOSSING?

Folgende Attribute findest du beim Bossing:

  • Bossing ist immer hierarchisch (von oben nach unten)
    -> es gibt übrigens auch das Gegenteil, wenn Mitarbeiter den Chef mobben, dann ist das Staffing

  • Mitarbeiter werden wiederholt attackiert

  • Es erfolgt über einen längeren Zeitraum
    -> Ziel ist es, das Bossing-Opfer aufzureiben und kleinzukriegen, damit es das Unternehmen oder Abteilung wechselt. Oft ist der Aufhebungsvertrag oder Kündigung das Ziel.

  • Es sind verbale UND non-Verbale Attacken
    -> z. B. keine Einladung zu relevanten Meetings etc.

Die Führungskraft demonstriert vor den anderen Mitarbeitern, dass der/ die Betroffene “zum Freiwild” erklärt ist. Es kann vorkommen, dass dann auch andere Beschäftigte anfangen, das Opfer zu mobben. Meistens zielt das Bossing auf einen Aufhebungsvertrag oder auf die Kündigung ab.

 

WAS MOTIVIERT FÜHRUNGSKRÄFTE DAZU, BOSSING ANZUWENDEN?

Das ist eine gute Frage. Oft trifft einer der hier aufgeführten Gründe zu:

FRUST
Die Führungskraft ist selbst genervt ist und lässt den Frust an den Untergebenen oder eben dem einen Auserwählten aus.

DRUCK
Die Führungskraft bekommt selbst von oben immensem Druck (Umsatzzahlen, Head-Count etc. ) und gibt ihn eins zu eins weiter.

UNSICHERHEIT
Die Führungskraft agiert aus einer eigenen Unsicherheit heraus. Sie will Macht demonstrieren, um von der eigenen Schwäche abzulenken.

NEID/ EIFERSUCHT
Nicht selten eifern Führungskräfte mit besser qualifizierten Mitarbeiten. Sie vergessen, dass 60 % ihrer Aufgabe das Führen von Mitarbeitern ist und nur 40 % die fachliche Expertise. Es könnte sein, dass die Führungskraft sich minderwertig fühlt und das kompensieren möchte.

 

EIN KLEINES POTPOURRI AN GEMEINEN SPRÜCHEN

Diese Sprüche haben mir KlientInnen erzählt:

  • The world doesn’t stop only because you are married
    (Chefin zur Mitarbeiterin, die nach drei Wochen Flitterwochen nach einem Projekt-update fragt)

  • OMG, the blind leading the blind

  • Frau XY, Sie haben Ihre Rolle als Frau noch nicht verstanden
    (Lt.  dieser Führungskraft ist es u. a. die Rolle der Frau Kaffee zu servieren…)

  • Herr XY, auch schon kapiert, warum wir hier sitzen?
    (Chef in Teambesprechung)

  • Arbeitest du halbtags oder warum denkst du, um 19 Uhr gehen zu können?

  • Frau XY lange können wir es uns nicht mehr leisten, sie mitzuziehen
    (Vertriebsleiter zu Mitarbeiterin vor versammelter Mannschaft)

  • Mimimi
    (ein Chef äfft im Teammeeting (1 Frau unter Männern) die leise Stimme der Mitarbeiterin nach)


DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE BOSSING-OPFER

Mit Bossing startet für die betroffenen MitarbeiterInnen ein Leidensweg, der weitreichende Folgen hat. Nicht nur im beruflichen Leben, sondern auch im Privatleben.

Das Selbstwertgefühl fällt in den Keller, sie sind antriebslos, niedergeschlagen, quälen sich Selbstvorwürfen. Nicht selten denken sie, sie seien selbst schuld. Sie schlafen schlechter und isolieren sich zunehmend von der eigenen Familie und Freunden. Die Lebensfreude schwindet und sie verfangen sich in dem Teufelskreis ihrer negativen Gedanken.

Im Job sind sie verunsichert, trauen sich viel weniger zu und haben Angst, etwas falsch zu machen und dann wieder den Attacken der Führungskraft ausgeliefert zu sein. Sie fühlen sich als Opfer.

WAS KANNST DU TUN, WENN DU BOSSING AUSGESETZT BIST?

Im Folgenden gebe ich dir meine Gedanken und Tipps, welche Möglichkeiten du hast.

  1. Erlange Klarheit darüber, was DU möchtest

    Niemand kann dich zum Opfer machen. Du hast immer Macht über dein Leben und kannst selbst entscheiden, wie du im Fall eines Bossings vorgehen willst.

    Du kannst jederzeit entscheiden, was du bereit bist, zu tun. Welche Schritte du einleiten willst. Was das im Einzelnen sein kann, dazu gleich mehr.

  2.  Raus aus der Opferhaltung

    Zuerst ist es wichtig, dass du dich nicht als Opfer siehst. Das sagt sich so leicht, ich weiß. Werde dir bewusst, dass du zu jeder Zeit handlungsfähig bist.

  3. Mach’ den Mund auf

    bzw. wehret den Anfängen. Sprich deine Führungskraft darauf an, wenn dich die Kommentare verletzen und das öfter vorkommt. Suche frühzeitig das Gespräch.

  4. Vertraue dich anderen an

    Rede mit vertrauten Menschen in deinem Umfeld, die dir wohl gesonnen sind. Wenn du alles in dich hineinfrisst, dann verschließt du dich vor anderen. Isoliere dich nicht, sonst beginnt ein Teufelskreislauf.
    Bei direkten Kollegen wäre ich persönlich vorsichtig. Es könnte sein, dass sie sich zurückhalten, weil sie selbst Angst davor haben, das nächste Opfer werden zu können.

  5. Du bist in der Regel nicht das Problem

    Das Problem liegt in der Regel nicht bei dir. Gehe davon aus, dass dein Chef oder deine Chefin das Problem hat.

  6. Lerne, mit Stress umzugehen

    Finde eine für dich passende Entspannungstechnik.
    Einige Beispiele: Yoga, Autogenes Training, Mentaltraining, Selbsthypnose, Progressive Muskelentspannung, Meditation, ZEN …

  7. Suche dir Verbündete

    Ein starkes Netzwerk ist Gold wert. Fange heute an, dir ein gesundes Netzwerk aufzubauen und nicht erst, wenn du es brauchst. Ein gutes Netzwerk stützt dich und du findest leichter neue Jobs. Netzwerken heißt jedoch, “Erst geben - dann nehmen”.

    Möchtest du andere Frauen in Männderdomänen kennenlernen? Dann komm’ doch in meine Facebook-Gruppe "Wir Frauen in Männerdomänen”


  8. Suche dir professionelle Hilfe

    Wenn du alleine nicht weiterkommst, dann lass’ dich professionell unterstützen. Das kann ein Coach oder Mentor sein.
    Hier kommst du zu meinem Terminkalender und kannst deinen unverbindlichen KennenlernTermin vereinbaren.

  9. Kannst du innerhalb deines Unternehmens Unterstützung erhalten?

    Sprich mit den KollegInnen in der Personalabteilung.
    Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, eine Gewerkschaft und/ oder eine Gleichstellungsstelle? Wie sieht es mit der Ebene über deiner Führungskraft aus? Gibt es Kollegen im Unternehmen, die dich unterstützen können?

  10. Notiere dir deine Leidensgeschichte und hole dir juristischen Rat

    Sammle kompromittierende E-Mails, Fotos und führe ein Tagebuch. Es ist eine weitreichende Entscheidung, sich auf den juristischen Weg einzulassen, oder nicht. Wie will man Bossing stichhaltig beweisen? Welche Beweise haben vor Gericht Bestand?

    Bist du physisch dazu in der Lage, den vermutlich längeren Prozess durchzustehen, nachdem du schon eine Bossing-Leidensgeschichte hinter dir hast?

  11. Wechsle in eine andere Abteilung oder das Unternehmen

    Wie sind die Möglichkeiten, innerhalb des Unternehmens die Abteilung zu wechseln? Oder ist es die bessere Alternative das Unternehmen zu verlassen?

MEIN FAZIT

Kein Unternehmen ist es wert, die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Mit erhobenem Haupte zu gehen, ist oft die bessere und gesündere Alternative, statt sich mit „von dem/ der lasse ich mich nicht vergraulen“-Parolen auf einen weiteren Leidensweg, auf Kosten der eigenen Gesundheit, einzulassen.

WIE SIND DEINE ERFAHRUNGEN?


Wie sind deine eigenen Erlebnisse? Hattest du schon mal mit Angriffen eines Vorgesetzten zu tun? Wie hast du reagiert? Mich interessiert dein Blickwinkel auf das Thema. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar. Herzlichen Dank.

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Bis bald,
Deine Monika aus der FOKUSWerkstatt

WER BIN ICH?

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Mein Name ist Monika Rörig. Ich unterstütze und ermutige Frauen in Männerdomänen, sich auf ihre einzigartige Art zu behaupten, ohne dabei kämpferisch zu sein, sondern selbstbewusst und mit Freude. Für Frauen, die Mehr wollen. Mehr vom Job - Mehr vom Leben.

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